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20.11.2017 - 10:42
Impressum
Stauwehren zur Wiesenbewässerung
Standorte der Stauwehre
Stauwehr Schwülmestrasse

Rund um Offensen sind an den drei Fließgewässern Lohbach, Hessenbach und der Schwülme zahlreiche Stauwehre zu finden.

Der Lohbach entspringt im Bremketal, der Hessenbach in Fürstenhagen. Die Schwülme hat ihr Quellgebiet im Bramburger Gebiet von Adelebsen und Hettensen.

In der Fotoshow Stauwehren habe ich die mir bekannten Stauwehren mit Angabe der Geodaten bezeichnet.

Für eine druckbare Übersicht könnte Ihr die Anlage
Standorte der Staustufen
verwenden

Abriss
Abgerissenes Stauwehr

Ein Stauwehr fiel der Bildung einer "Ausgleichsfläche" beim Bau der Umgehungsstrasse Offensen Heisebeck zum Opfer.
Zu sehen sind nur noch die Sandsteinblöcke, die die Pfeiler bildeten.
Zwischen den Staupfeilern der Stauwehre ist eine Bodenplatte eingebracht, die für eine ungebremste Fließgeschwindigkeit des Wassers verantwortlich ist.
Auch die Bodenplatte wurde entfernt.
Durch den Rückbau soll die Durchlässigkeit dieses Fließgewässer für Kleinstlebewesen von der Quelle bis zur Mündung verbessert werden.
Dazu ist ein naturnahes Flußbett erforderlich.
Die Durchlässigkeit wird jedoch durch die Totalabschottung der Fließgewässer bei Staumaßnahmen für die Stromgewinnung und Schleusen für die Schifffahrt verhindert.

Wozu dienten die Staustufen?
Stauwehr am Hessenbach - nahe Metallbau Wahmke

Die im Solling verbreiteten Begriffe "Flössen, "Fleuen" oder "Fluien" bezeichnen das allgemeine Wiesenbewässern im Plattdeutschen.

Seit Jahrhunderten wurden im Solling die Wiesen mit dem Wasser von Quellen, Bächen und Flüssen bewässert.

Ziel war eine Düngung der Wiesen um kontinuierliches Wachstum der Wiesen zu erreichen. Mehrmaliges Mähen im Jahr zur Heugewinnung konnte auch in trockenen Jahren erreicht werden. Heu war eine wertvoller Futtergrundlage zur Versorgung des Viehs.

Auch der Vormarsch von Schädlingen wie Wühlmäuse, Maulwürfe und Ameisen wurde durch die Flutung der Wiesen gebremst.

Durch die Einführung des Kunstdüngers verlor das Wiesenbewässern seine Grundlage.
Es war sogar kontraproduktiv, den teuren Kunstdünger auszuwaschen, der dann nur noch in den Bächen abfloss und zur vermehrten Algenbildung beitrug.

Siehe auch den umfassenden Bericht im Sollingheimatblatt 4/99 - Artikel "Flößen ist nicht gleich Flößen" von Heinrich Funke.

Sandsteinbrüche
Sandsteinbruch an Fingers Wiese

Die für die Stauwehren benötigten Sandsteinblöcke wurden direkt vor Offensen - Richtung Adelebsen - hergestellt.

Die einzusehende Kuhle unterhalb des Schützenhauses, und der Abbau an "Fingers Wiese" im Offensener Grund weisen auf alte, historische Steinbrüche hin.

Wissenswertes zu den Stauwehren
Wissenswertes
Heinrich Wiegmann an einem Fluiegraben

Um die Wiesenbewässerung an ungünstig gelegenen Stellen wie Hangwiesen zu bewerkstelligen, wurden sogenannte "Fluiegräben gezogen".

Heinrich Wiegmann aus Offensen steht an einem Fluiegraben, der unterhalb der "Niedern Bremke" in einem kleinen Waldtal zu finden ist.

Simulation
Fluiegraben in der Bremke

Das Wasser wurde gestaut und kilometerweit seinem eigentlichen Ziel zugeleitet, wie die Fotomontage hier verdeutlicht.

Mehr dazu in der...
Fotoshow Stauwehren

Regelung
Heinrich Wiegmann an einem Fluiegraben

Damit nicht der oberste Staustufenbesitzer das ganze Wasser für sich beanspruchen konnte, wurde eine Regelung der betroffenen Landbesitzer in Eigenabsprache (Staugemeinschaft) getroffen. Hier wurden die Termine und die Uhrzeiten geregelt, an dem der jeweilige Staustufenbesitzer stauen durfte.

Da diese Regelung nicht immer klappte, gab es oft "Böses Blut" in den einzelnen Ortschaften im Solling. Das geflügelten Wort "Jemanden das Wasser abgraben"
rührt augenscheinlich aus dieser Periode.

Das Resultat wurde in der Teilungs- und Verkopplungsurkunde 1822 (Rezess) geschrieben. In diesem Buch finden sich außerdem die Baupläne der Staustufen.

In jeder Staustufe soll ein Flacheisen oder ein Nagel angebracht sein, der die maximal einzuhaltende Stauhöhe markiert.